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Gesamtdarstellungen der Verteilungstheorie geraten in der Regel -
beab- sichtigt oder unbeabsichtigt - zu einer im Zweifel auch noch
historisch geordneten Abhandlung verschiedener "Lehrmeinungen"
einschlagiger wis- senschaftlicher Gewahrsleute. In den folgenden
Ausfuhrungen wird ver- sucht, wenn moeglich die
theoriegeschichtliche zugunsten einer problem- orientierten Sicht
zu vermeiden. Die leitende Idee dabei war, dass die Erklarung der
Verteilung von Einkommen und Vermoegen grundsatzlich kei- ner
"besonderen" Theorie oder Theorien bedarf, vielmehr nur eine be-
sondere Fragestellung definiert, die im Rahmen des gangigen mikro-
und makrotheoretischen Rasonnements sinnvoll zu behandeln sein
muss. Schliess- lich erklart ein keynesianisches Makromodell mit
Beschaftigung, Sozial- produkt, Loehnen und Preisen zwangslaufig
auch die funktionale Vertei- lung, die Theorie des allgemeinen
Gleichgewichts - bei gegebener Erst- ausstattung, gegebener
Technologie und gegebenen Praferenzen - mit den relativen Preisen,
dem Einsatz der Faktoren und der Produktion zwangs- laufig auch die
personelle Verteilung. Dabei ist naturlich nicht zu verkennen und
mit diesen Bemerkungen bereits angedeutet, dass einer
vereinheitlichenden theoretischen Analyse einige Schwierigkeiten
ent- gegenstehen. Am offenkundigsten in diesem Zusammenhang ist -
als spezi- elle Spielart sehr allgemeiner Mikro-Makro-Problematik -
die bis heute ungeloeste Integration personeller und funktionaler
Theorien. Jedem Bei- trag, der diese Kluft uberwinden hilft, sollte
daher besondere Beachtung geschenkt werden. Der Intention einer
problemorientierten Darstellung scheint die dem In-
haltsverzeichnis zu entnehmende Gliederung des Stoffes auf den
ersten Blick wenig zu entsprechen.
In der Einfiihrung zum ersten, im Jahre 1976 erschienen Band dieser
Reihe konnten wir an zwei Jubilaen ankniipfen: 200 Jahre zuvor
hatte Adam Smith mit "Der Wohlstand der Nationen" eines der
einfluBreichsten Werke unserer Wissenschaft ver6ffentlicht, und
vier Jahrzehnte waren seit dem Erscheinen der "Allgemeinen Theorie
der Beschaftigung, des Zinses und des Geldes" vergangen. Wir muBten
feststellen, daB es urn das zweite der Jubilaen relativ still
blieb, obgleich damals der scharfste Konjunktureinbruch der Nach-
kriegszeit nur knapp iiberwunden war und die Arbeitslosigkeit
sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten langst die
Millionenh6he erreicht hatte. Es schien, als habe Sir John Hicks
(1974) Recht behalten, als er das dritte Quartal dieses
Jahrhunderts als das "Zeitalter von Keynes" bezeichnete und die
Vermutung durchblicken lieB, es werde mit diesem auch zu Ende
gehen. Die im theoretischen Ansatz und den wirtschaftspolitischen
Folgerungen weit iiber den urspriinglichen Monetarismus
hinausgehende "neue" klassi- sche Makr06konomik befand sich im
Vormarsch, weckte hohe Erwartungen, wenn sie auch heute ihren
H6hepunkt langst wieder iiberschritten hat. Wie Produkte und gauze
1ndustriezweige einem Lebenszyklus folgen, so kann man, wie es
scheint, auch Theorien in ein solches Schema einordnen. Dabei zeigt
sich ein markanter Trend zur Verkiirzung der Lebensdauer. Wie steht
es dabei urn die Lehre von Keynes, ihre Anpassungsfahigkeit an neue
Konstellationen, die auch ein Genie wie Keynes, der einst viele und
besonders die diisteren Ereignise richtig prognostiziert hatte,
nicht vorausahnen konnte? Dies wird eine der Fragen sein, die
dieser Band zu beantworten hat.
Macht man den Versuch, die in den dreiBiger Jahren dieses
Jahrhunderts vor dem Hintergrund der WeItwirtschaftskrise mit aller
nur erdenklichen Heftigkeit gefi. ihrte Auseinandersetzung zwischen
Vertretern traditioneller und moderner Wirtschaftstheorie und
-politik in Deutschland auf ihre Essenz zuri. ickzufi. ihren - eine
Auseinandersetzung i. ibrigens, deren zwar nicht vollstandige, aber
doch sehr weitreichende Obereinstimmung mit der seit den spaten
sechziger Jahren andauernden und, angesichts der Rezession der
siebziger Jahre, mit vermehrter Scharfe ausgetragenen
Monetaristen-Fiskalisten-Kontro- verse sich dem Betrachter
nachgerade aufdrangt -, so wird man feststellen, daB diese in einer
v6llig gegensatzlichen Beurteilung des Zusammenhangs von Sparen und
Investieren zu finden ist: Die moderne Theorie setzt an die Stelle
des tradition ellen Spar-(Zins-)Inve- stitionsprozesses - "a dog
called savings wagged his tail labelled investment" - den
Investitions-(Einkommens-)Sparprozesses - "a dog called investment
wagged his tail labelled savings"12. Urn so erstaunlicher muB es
anmuten, daB auch in den Reihen jener Reformer oder "Revolutionare"
der 6konomischen Theorie und Politik, unter denen doch, neben
wenigen Vertretern der "national6konomischen Zunft", so viele
eigenwillige Einzelgan- l4 ger und Amateure zu finden sind13, das
Werk Johannsens soweit wie keine Beachtung oder Erwahnung gefunden
hat -das Werk eines Mannes immerhin, der "zweifelsfrei einer der
eindeutigsten Antizipatoren der wesentlichen Punkte der
Keynesianischen Revolu- tion"IS gewesen ist.
G. Bombach 1m Vorwort zum gleichzeitig erscheinenden I. Band haben
die Herausgeber das Konzept fiir das vier Bande umfassende
Gesamtwerk entwickelt, mit dem Bemerken, daB die Trennungslinie
zwischen den Banden III und IV, die im nachsten Jahr fertiggestellt
werden sollen, noch nicht prazise gezogen ist. Dieser Band ist im
wesentlichen der Dokumentation der Ereignisse wahrend der
Weltwirtschaftskrise in Deutschland gewidmet. 1m Mittelpunkt stehen
jene Plane und Empfehlungen, die damals entwickeit und diskutiert
wurden, urn die Massenarbeitslosig- keit zu beseitigen. Mit der
Wiedergabe ausgewahlter Dokumente soli ein Eindruck von der Harte
der Auseinandersetzungen, von kiihnen, neuen Ideen auf der einen,
yom sturen Festhalten an falschen Theorien auf der anderen Seite,
vermittelt werden. Dabei sollen jene Politiker, Praktiker und
Wissenschaftler gebiihrend zu Worte kommen, die sich damals fiir
revolutionar erscheinende, neue Konzepte einsetzten, Plane bis in
letzte Details ausarbeiteten, und die wahrend langer Zeit oft nur
in FuBnoten erwahnt wurden. Erst mit der Intensivierung der
wirtschaftshistorischen Forschung in jiingster Zeit, insbesondere
aber mit der gegenwartigen Krise, die nach Parallelen zur
Weltwirtschafts- krise fragen laBt, besinnt man sich auf die
Wegbereiter von einst.
Die Analyse okonomischer Fragestellungen insbesondere
wirtschaftspolitischer Probleme mit Hilfe eines geeigneten
theoretischen Instrumentariums, die "angewandte
Wirtschaftsforschung", wird in diesem Band behandelt. Ziel ist es
dabei, die Vielseitigkeit der Forschungen Gottfried Bombachs in der
Vielseitigkeit der Interessen seiner Schuler zu spiegeln. Die
Leistungsfahigkeit der modernen Theorie wird dokumentiert, das
Verstandnis okonomischer Zusammenhange und ihrer Anwendungen auf
die Entwicklung wirtschaftspolitischer Strategien werden gefordert.
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